Kürzlich wollte mir ein guter Bekannter etwas Gutes tun und mir drei Aktien der Hapimag AG schenken. “Oh fein”, freute ich mich, dann könnte wir “günstig” in diversen hochwertigen Anlagen Urlaub machen. Eigentlich soll man einem geschenkten Gaul ja nicht ins Maul schauen, als Betriebswirt machte ich es aber trotzdem und kam zu dem Ergebnis, auf das fröhliche Pferd von Hapimag zu verzichten.
Hapimag bietet nach eigener Beschreibung flexible Wohnrechte in 5.300 Apartments in 57 Resorts und Residenzen in 16 Ländern (sogenanntes Timesharing oder Ferienwohnrechte). Diese Wohnrechte erhält man durch den Erwerb von Papieren, die Hapimag selbst als Aktien bezeichnet. Ich würde diese Papiere eher Genossenschaftsanteile nennen könnte, denn mit Aktien, wie ich sie kenne, haben diese Papiere nichts zu tun. Jeder namentlich registrierte Anteilsinhaber erhält pro Jahr bestimmte Wohnrechte, die in Punkten vergeben werden. Pro Anteil werden derzeit 60 Punkte gutgeschrieben. Dafür kann man je nach Saison, Wohnkategorie, Zielort ein paar mehr oder weniger Tage in einer Hapimag-Anlage verbringen, die zugegeben eine hohe Qualität haben.
So kostet etwa eine Woche London für ein Komfort Zimmer 112 Punkte im Juni. Richtig gerechnet, für diese 112 Punkte benötigt man schon mindestens 2 Aktien, hat dann aber 8 Punkte übrig. Das ist grundsätzlich kein Problem, denn man kann die Punkte auch eine bestimmte Zeit “sparen”.
Als Betriebswirt wollte ich natürlich wissen, was eigentlich diese Anteile wert sind. Auf der Homepage von Hapimag werden keine Verkaufspreise veröffentlicht. Auf Wikipedia wird ein Preis von 6.090 CHF (umgerechnet etwa 5055 Euro) genannt, während der durchschnittliche Rückkaufspreis pro Aktie 2011 bei CHF 2.843 gelegen haben soll (umgerechnet etwa 2360 Euro). Im Netz existieren noch weitere Aufstellungen, wie z.B. hier.
In jedem Fall ist der Spread gewaltig. Und ich entnehmen den Fakten im Netz, dass der Verkauf der Anteilsscheine vergleichsweise kompliziert ist (siehe z.B. Hapimag Namen-Aktie zu verkaufen.Wie?). Ob der Preis von 2.360 Euro gerechtfertigt ist, lässt sich anhand dieser Daten schwer prüfen, da der Markt vollkommen illiquide ist und daneben prohibitiv hohe Umschreibekosten (500 CHF) den Transfer erschweren.
1. Reine Cashflow-Betrachtung der Rechte
Nun soll ich die Papiere ja geschenkt bekommen. Der Blick in das Kleingedruckte offenbart, dass die registrierten Inhaber der Anteilsscheine zwar die Wohnrechte erhalten (und diese auch tatsächlich nutzen können), aber als Anteilseigner hat man nicht nur das Recht auf die Wohnpunkte, sondern wird jährlich mit einer Verwaltungsgebühr belastet. Aktuell beträgt diese für 2012 ca. 272 Euro pro Anteilsschein. Das bedeutet in der Jahreskalkulation nun pro Aktie +60 Wohnpunkte auf der Habenseite und –272 Euro (mit lt. Informationen im Netz stark steigender Tendenz).
Für eine Bewertung ist nun die interessante Frage, was sind diese 60 Punkte wert. Dabei hilft eBay. Hier wechseln 60 Punkte für sogenannte A-Aktien für ca. 200 Euro den Besitzer, wobei die Punkte nur an Mitglieder von Hapimag versteigert werden können. Aber immerhin ist das schon einmal ein Anhaltspunkt.
Jahresgebühr 272 Euro abzüglich 200 Euro Punkteerlös macht –72 Euro Cashflow pro Jahr. Das ist unattraktiv, zumal ja die Transaktion auch noch abzuwickeln ist.
2. Wohnleistungsvergleich
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